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Patrouille

R. Mc Duck

Langsam bahnte er sich den Weg durch das Gestrüpp, die Waffe im Anschlag. Es lag kein Schnee, aber ein eiskalter Nordwind blies ihm ins Gesicht, schlich sich unter seine Sachen und trotz des gefütterten Parkas überkam ihn ein frostiger Schauer. Kein Stern war am düsteren Nachthimmel, nur ab und zu drang der Mond kurz durch die dichten Wolkenmassen. Müde zog er torkelnd seine Bahn. Seine Augen hatten sich noch nicht der Dunkelheit angepaßt, aber sein Gehör arbeitete schon auf Vollbetrieb. Als er kurz stehenblieb, um in die Nacht hinein zu lauschen, konnte er es wieder hören. Knacks. Und noch mal, "knacks". Langsam näherte es sich. Er blickte nach links und dann nach rechts. Gelassen drehte er sich um. Es war seit einigen Sekunden absolut still. Er hustete verächtlich und gab eine Art Pfiff von sich. Es knackte wieder und unter leisem Rascheln schälte sich eine große Gestalt aus der Dunkelheit. Die Gestalt näherte sich bis auf ungefähr fünf Schritt.

"Wir sollten uns beeilen, es sieht nach Regen aus."

"Ja, für einen Frühlingstag ganz schön finster und kalt. Was meinst du, noch zwanzig Minuten, dann müßten wir diese Runde hinter uns haben." Die Gestalt nickte nur und kramte ein paar Handschuhe aus der Tasche. "Dieser Samstag ist so kalt, daß man nicht mal den Hund vor die Tür setzen würde." Er hatte die Handschuhe jetzt an, überprüfte noch einmal den Sitz seiner Waffe und schlug sich wieder in die Dunkelheit.

Es wurde dunkler. Dunkelrot schimmerten die Strahlen des sinkenden Mondes in den Wolken. Einsam, ohne ein Wort, zog die schattenhafte Gestalt wieder ihre Runde. Er blieb nach einer Weile wieder stehen und lauschte. Er streckte seine Hand aus.

"Mist, es fängt an zu regnen. Ausgerechnet jetzt, wo wir noch fast die Hälfte vor uns haben." Lässig schob er die Waffe auf den Rücken. Er überprüfte wie schnell er sie in Anschlag brachte und lauschte wieder in die Nacht. Knacks. Ein sadistisches Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Langsam setzte er sich wieder in Bewegung. Mit schwerem, festem Schritt, den Blick von links nach rechts und wieder zurück schwenkend, bewegte er sich vorwärts. Er kam jetzt aus dem Wald heraus. Dumpf klang sein Schritt, als er den Plattenweg betrat.
Er hustete. Sein Blick wanderte dorthin, wo eigentlich die Sterne hingen. Aber er fand dort nur dicke, graue Wolken. Ein Tropfen landete in seinem Gesicht, und noch einer, und noch einer. Fluchend zog er sich das Barett weiter ins Gesicht. Er würde sich die Kapuze nicht aufsetzen. Er war doch kein Weichei. Es regnete ja noch nicht so stark und außerdem war es ja verboten. Und wieder ging es weiter, Schritt für Schritt. Inzwischen regnete es in Strömen. Das Wasser lief ihm über die Jacke und der Schweiß klebte ihm die Sachen an den Körper. Innen heiß und außen kalt. Ein schlechtes Gefühl. Während er lief, warf er einen Blick nach hinten. Da war er, sein befohlener Schutzengel. Wieder hatte er das gemeine Lächeln im Gesicht. Sein Weg führte ihn nun an ein Tor. Verlegen kramte er in seinen Taschen und brachte nach einer Weile eine Lampe zum Vorschein. Sorgfältig kontrollierte er die Tür.

Nachdem er sich vom Verschluß der Tür überzeugt hatte, sah er den Weg zurück und sah unweit wieder die große Gestalt. Langsam zog er am Zaun vorbei. Er wußte, daß es genug Stellen gab, wo der Stacheldraht fehlte, aber dafür waren sie ja da. Der Plattenweg verließ jetzt den Zaun und ihr Weg führte über freie Grasflächen. Und der Regen fiel unerbittlich vom Himmel. Gott sei Dank war das Gras zu dicht bzw. der Pfad zu ausgetreten um schon aufgeweicht zu sein. Er wurde schneller. Nur noch ein Viertel und sie hatten es geschafft. Der Weg wurde breiter, aber auch schlammiger. In einiger Entfernung war der Lichtschein der Unterkünfte zu sehen. Nachdem er eine Halle kontrolliert hatte, änderte er seinen Weg wieder Richtung Zaun. Das Wasser rann ihm über das Gesicht und sein Parka versagte seinen Dienst.Tropfen für Tropfen schlängelte sich über den Friedhof seiner Barthaare und wanderte über sein Kinn nach unten. "Wenn ich noch lange hier draußen bin, ende ich noch als Schwamm."

Er blieb stehen und lauschte, dann wandte er seinen Blick hinter sich. Ein fast hoffnungsloser Blick suchte nach seinem Engel. Als er die dunkle Gestalt fand, war sie nicht mehr so beeindruckend. Was er sah war eher eine sich in den Mantel verkriechende Gestalt mit hochgeschlagenem Kragen und am Mantel klebendes Blattwerk. Kein Anzeichen eines Grinsens war mehr in seinem Gesicht als er seinen Weg fortsetzte. Langsam näherten sie sich dem Lichtschein. Aus den kräftigen, ausholenden Schritten war ein kurzer, fast schleppender Gang geworden. Auf der rechten Seite begleitete sie wieder der Maschenzaun, auf der linken Seite wich die Grasfläche einer Gruppe von Büschen und mehreren Baracken, die zum nun folgenden Fuhrpark gehörten.

Plötzlich hörte er ein leises, unzufriedenes Murren. Er blieb stehen und jagte mit dem Blick durch die Umgebung. Alles war angespannt. Kein Laut entging ihm. Zwischen den Gebäuden vor ihnen kam eine Gestalt zum Vorschein. Er hatte seine Waffe inzwischen in Anschlag gebracht. Ein Blick hinter sich belehrte ihn, daß auch sein Schatten schon schußbereit hinter einer Baracke in Stellung gegangen war. Unruhig spielte sein Finger am Abzug seiner Waffe.

Die Gestalt bewegte sich in Richtung Fuhrpark. Er überprüfte noch schnell seine Waffe und suchte sich schon einen Weg zum Abfangen. Die Gestalt schien nichts zu bemerken und setzte ihren Weg fort, dabei geriet sie in den Lichtkegel und eine weiße Armbinde zeichnete ihn als UvD aus. Ein Seufzer entwich seinem Mund. Er kehrte auf seinen Streifenweg zurück. Seine Waffe baumelte schon wieder auf seinem Rücken, und auch sein Engel war wieder hinter ihm. Er ging jetzt nur noch zwischen zwei Gebäuden durch. Das Wachlokal war schon in Sichtweite, als ein Blitz den Himmel erhellte. Ein schallendes Gelächter zerriß die Stille. Mit einem breiten Grinsen erreichte er das Gebäude. Er hatte es geschafft. Der Wachhabende kam ihnen entgegen und übernahm die Munition. Er und sein Engel betraten die Wachstube, als ihre Ablösung ihnen entgegenkam, konnten die Zwei sich ein schadenfrohes Lachen nicht verkneifen. Draußen tobte inzwischen ein höllisches Gewitter.

Die Zwei gingen jetzt schlafen. Für diesen Tag hatten sie ihren Dienst hinter sich gebracht. Es war Sonntag, ein Uhr nachts.